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Craving

In der Steinzeit gab es noch keine Pommes, keine Schokolade und keinen Big Mac. Heute sieht die Welt ganz anders aus, doch unser Gehirn reagiert weiterhin mit dem alten Reaktionsmuster unserer Vorfahren.

 

Deshalb wirken hochkalorische und fette Lebensmittel wie Super-Reize. Unser Gehirn flippt förmlich aus und möchte mehr davon, wenn es einmal auf den Geschmack gekommen ist. Denn bei unseren Vorfahren war es nicht immer sicher, wann es das nächste Mal etwas Leckeres zu essen gibt. Also sagt unser Gehirn: Hau rein!

 

Auch Alkohol, Tabak, Cannabis und andere Drogen sprechen auf eine intensive Weise unser Dopaminsystem an. Hier werden die gleichen Prozesse im Gehirn aktiviert. Ein Teilnehmender unserer Alkoholfrei-Challenge sagte mir: Alkohol hat mir anfangs so ein tiefes Gefühl von Geborgenheit gegeben, danach habe ich mich dann gesehnt. Irgendwann war es mir egal, ob ich damit meine, Gesundheit, mein Geld, mein Leben aufs Spiel setzte. Ich wollte einfach dieses Gefühl wiederhaben.

 

Reize, die zu sehr starker Dopaminausschüttung führen, münden in starken Gewohnheiten. Wenn diese Gewohnheiten zu Schädigungen führen, zu Kontrollverlust und negativen Auswirkungen auf das berufliche und soziale Leben, sprechen wir von Süchten. Das Craving ist hier extrem stark. Der Begriff Craving (deutsch: Verlangen) bezeichnet die Belohnungserwartung. Sie ist gekennzeichnet durch einen starken inneren Drang.

 

Bevor das Craving einsetzt, gibt es einen Auslöser. Das Geräusch des Handys, der abendliche Weg zum Fernseher – das ist der Startschuss für ein Gewohnheitsverhalten. Wir reagieren auf das Signal, ob wir wollen oder nicht. Wir nehmen unser Handy zur Hand, wir holen noch etwas zum Naschen oder ein Bier aus dem Kühlschrank. Diese Reaktionen sind durch zahllose Wiederholungen in unserem Gehirn gebahnt worden. Auslöser können äußerlich sein, wie das Handysignal oder sie können sozial sein. Sie können aber auch innerlich sein, wie Stress, Unruhe oder der Wunsch nach Genuss.

Craving ist die Energie, die unsere Gewohnheiten antreibt. Je stärker das Verlangen nach Belohnung ist, desto stärker ist der innere Druck. Meistens sind wir uns dieser Vorgänge nicht bewusst. Dahinter stecken immer tiefsitzende Bedürfnisse wie zum Beispiel:

 

  • Das Bedürfnis nach Wohlbefinden.
  • Das Bedürfnis, Lust zu erleben und Schmerz zu vermeiden.
  • Das Bedürfnis nach Anerkennung, Liebe und Zugehörigkeit.
  • Das Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle.
  • Das Bedürfnis nach Selbstbestimmung und Autonomie.

 

Wie erlebst du Craving? In welchen Situationen steigt bei dir dieser starke Drang auf?

Halte einmal inne und frage Dich in Bezug auf deine Gewohnheiten: Was für eine Belohnung erwartest du? Welchen Anreiz hat dieses Verhalten? Was erwartest du davon, oder was hast du früher davon erhofft, als diese Gewohnheit begann? Wann spürst du starke innere Impulse, denen du kaum widerstehen kannst?

 

Viele Grüße,

Dein Michael vom ex&hopp-Team

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Corinna Menze  +  Michael Weiger  /  ex&hopp - Alkoholfrei-Challenge