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Er-nüchtern-des Online-Dating

Ich lebe jetzt seit einem Dreivierteljahr wieder alkoholfrei. Der neue Raum, der sich in meinem Leben dadurch geöffnet hat (durch mehr Energie, mehr Zeit und mehr Lust auf Neues) könnte ja Platz bieten für einen neuen Mann an meiner Seite. Also habe ich meinen Tinder-Account reaktiviert. 

 

Offensichtlich ist es schon länger her, dass ich mich das letzte Mal durch die Profile gewischt habe, denn mir ist aufgefallen, dass ich nun völlig neue Kritieren für ein Like an den Tag lege. 

 

Tatsächlich geben viele Männer (Frauen vielleicht auch, das kann ich jetzt nicht sagen) bei ihren Interessen “Wein” oder “Was trinken gehen” an. Oder es scheint auch ziemlich hipp zu sein “Gin Tonic” als Hobby anzugeben. Im Ernst? Gin? Ich kenne persönlich niemanden, der Gin trinkt. Ist vielleicht ein Städter-Ding. Wir hier auf’m Dorf sind da eher schlicht mit Bier unterwegs… 

 

Wie auch immer. Nun sind da also einige interessante Männer, die aber nun mal offensichtlich so gerne Alkohol trinken, dass es ihnen wichtig ist, das in ihrem Dating-Profil kundzutun. Und sie tun es kund, weil sie vermutlich eine Frau suchen, die das zumindest akzeptiert, idealerweise als “Interesse” mit ihnen teilt.

 

Tja, vorher war das für mich nie ein Kriterium. Und jetzt? Möchte ich eigentlich einen Partner, der was trinkt? Was würde das für mich und meinen Konsum bedeuten? Ich erinnere mich, dass sich früher mein Rauchverhalten schon auch am Nikotinkonsum des Partners orientiert hat. Würde ein trinkender Partner mich wieder zum Konsum “verführen”? Ich hoffe ja sehr, dass ich nicht so wankelmütig bin. Eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, dass meine Entscheidung, nichts mehr zu trinken, auf festen Füßen steht.

 

Aber würde ich es mögen, wenn mein Partner nach Alkohol trinkt und dann danach riecht und schmeckt, vor allem beim Küssen? Aaaah, da wird es schon schwieriger. Zudem wünsche ich mir eine Beziehung, in der man sich die Zweisamkeit mit anderen Räuschen versüßt und die Kommunikation klar und die Gefühle wahrhaftig sind. Ich hätte nichts dagegen, wenn mein Partner was trinkt, aber es muss ja nicht unbedingt regelmäßig in meiner Gegenwart sein.

 

Also wische ich die Männer mit diesen “Interessen” nun also fleißig nach links. Auch die, die mit Alkohol auf ihrem Profilbild abgebildet sind, nur Alkohol als Profilbild haben und auch diejenigen, denen man ansieht, dass sie viel trinken (auch da hat sich mein Blick verändert). Ich lösche sowieso schon alle Männer, die ihre Tattoos präsentieren (ich habe nichts gegen Tattoos, aber das Präsentieren  derselben irritiert mich) und alle Männer, die auf allen Bildern mit ihren Hunden posieren (ich habe nichts gegen Hunde, aber wenn sie so wichtig in ihrem Leben sind, dass sie mit auf's Profilfoto kommen, unterstelle ich mal, dass da für mich kein Platz ist).

 

Tja, da bleiben dann am Ende nicht mehr viele übrig. Irgendwann habe ich dann Tinder durchgespielt, ohne ein einziges Like vergeben zu haben. Also deaktiviere ich meinen Account wieder und hoffe, dass ich mich mit der Entscheidung, mein Leben alkoholunabhängig zu verbringen, in Liebesdingen nicht völlig ins Aus geschossen habe.

 

Corinna

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Corinna Menze  +  Michael Weiger  /  ex&hopp - Alkoholfrei-Challenge